͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ |
|
Heute geht es um eine deutsche Jobmesse in Kenya und ein Ehepaar, das seit Jahrzehnten gegen Faschisten kämpft. Doch zunächst zum Kommentar.
|
|
|
Thema des Tages: Die ehemalige Chefin des Deutschen Ethikrats hat das Bundesverdienstkreuz nicht verdient
|
|
Frank-Walter Steinmeier übergab Alena Buyx am Dienstagvormittag das Bundesverdienstkreuz.
|
|
Clemens Bilan / EPA
|
|
|
Wer sich ernsthaft mit Ethik beschäftigt, den kann das Schicksal des Sokrates nicht kaltlassen. Unentwegt zog der Denker durchs antike Athen und stellte den Bürgern seine Fragen. Diese Fragen waren scharfsinnig, unbequem und manchmal auch unverfroren. Das brachte ihm den Hass der herrschenden Klasse ein, die ihn schliesslich hinrichten liess.
|
|
|
Alena Buyx, ehemalige Chefin des Deutschen Ethikrats, ist nie mit unangenehmen Fragen aufgefallen. Stattdessen hat sie in der Corona-Pandemie das Lied der Mächtigen gesungen. Am Dienstag wurde sie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, was einer gewissen Logik folgt.
|
|
|
Das Bundespräsidialamt begründet die Auszeichnung besonders mit Buyx’ Rolle in der Pandemie. Als «Beraterin in ethischen Fragen» habe sie damals «den Konflikt zwischen staatlichen Schutzmassnahmen und individuellen Freiheitsrechten verständlich erläutert». Das Amt lobt Buyx als «stets präsente Mittlerin», deren Engagement wertvoll gewesen sei.
|
|
|
Stimmungsmache gegen Ungeimpfte
|
|
Diese Beschreibung stellt die Realität auf den Kopf. Buyx hat sich in der Pandemie nicht aufs Erläutern beschränkt. Sie hat versucht, Einfluss auf die öffentliche Debatte zu nehmen – und auf wundersame Art und Weise deckten sich die Positionen des von ihr geführten Ethikrats häufig mit denen der Regierung, die den Rat mit 1,7 Millionen Euro pro Jahr finanziert.
|
|
|
Offenkundig wird das, wenn man sich ihre Äusserungen über Ungeimpfte ansieht. Stellvertretend dafür steht der Fall des Fussballprofis Joshua Kimmich, der in die Mühlen des politisch-medialen Betriebs geriet. Er verweigerte zunächst die Impfung und wurde dafür von Buyx geschulmeistert. Kimmich sei «einer Falschinformation aufgesessen und schlecht beraten worden», sagte sie dem Fernsehsender Sky. Es gehe um den «Irrglauben möglicher Langzeitfolgen», um «Langzeitfolgen, die es nicht gibt».
|
|
|
Heute weiss man, dass Langzeitfolgen existieren. In seltenen Fällen löst die Impfung zum Beispiel ähnliche Symptome aus, wie sie bei Long Covid beschrieben werden. Die Risiken einer Covid-Infektion sind für gesunde, junge Menschen hingegen überschaubar. Kimmichs Zögern war also rational. Doch diese persönliche Entscheidung wurde ihm als unsolidarisch angekreidet, vor allem wegen seiner Vorbildfunktion. Eine Impfung ist aber immer eine individuelle Entscheidung.
|
|
|
Fragwürdig agierten also all jene, die ihn zur Impfung drängen wollten. Allen voran der damalige sozialdemokratische Abgeordnete und heutige Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der öffentlich anbot, den Fussballer persönlich zu impfen. Lauterbach gehörte mit seinen Überzeugungen, genau wie Buyx, zur Mehrheit des politischen und medialen Establishments. Man trat als «Team Vorsicht» auf und forderte Ende 2021 eine Impfpflicht.
|
|
|
Erst gegen, dann für die Impfpflicht
|
|
Auch Buyx sprach sich öffentlich für die Impfpflicht aus, weil diese «insgesamt eine bessere Freiheitsbilanz» habe. Als die Regierung Merkel noch nichts von einer verpflichtenden Impfung wissen wollte, hatten Buyx und ihr Ethikrat ebenfalls Bedenken. Die Nachfolgeregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz wollte dann plötzlich doch eine obligatorische Impfung. Auf einmal war der Ethikrat dafür.
|
|
|
Als Fachfrau für die grossen moralischen Fragen wurde Buyx in der Pandemie den Bürgern präsentiert. In dieser Funktion hätte sie die schwierige Abwägung zwischen individueller Freiheit und kollektiver Verantwortung nüchtern ausbuchstabieren können, ohne die Antworten immer gleich mitzuliefern. Sie hätte die ethischen Fragen über die politischen Fragen stellen können oder sogar müssen, weil jede schlüssige Morallehre für Minderheiten und Schwächere einsteht.
|
|
|
Stattdessen stand Buyx im Chor der Mächtigen und gehört damit zu einer Reihe von Wissenschaftern, Journalisten und Politikern, die als Einheitsfront wahrgenommen wurden. Auch der Virologe Christian Drosten und die Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim waren Teil dieses Phänomens; auch sie wurden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
|
|
|
Der Staat ehrt also seine Verbündeten in der Pandemie, verweigert aber eine offizielle Aufarbeitung dieser schwierigen Episode. Das befeuert die Wut all derer, die sich damals unfair behandelt fühlten und auf ihre Freiheitsrechte pochten. Während die deutsche Regierung schwerste Grundrechtseinschränkungen beschloss, war ihr der Ethikrat treu ergeben. Das erforderte keinen Mut, und deshalb hat seine Chefin diese Auszeichnung nicht verdient.
|
|
|
Meine Highlights aus der «Neuen Zürcher Zeitung»
|
|
Kenyas Präsident William Ruto hat ein Migrationsabkommen mit Deutschland geschlossen.
|
|
Bryan R. Smith / Reuters
|
|
- Deutsche Jobmesse in Kenya. In dem afrikanischen Land haben unzählige junge Menschen keine Arbeit. Viele von ihnen sind qualifiziert und möchten nach Deutschland, wo Fachkräfte fehlen. Nun hat Deutschland in Kenya eine Jobmesse veranstaltet. Zur Reportage
- «Leute greifen Juden an, wie in den 1930er Jahren.» Beate und Serge Klarsfeld haben ihr Leben lang erfolgreich gegen Faschisten gekämpft. Nun sind sie vor allem über den Antisemitismus von links besorgt. Zum Interview
- Tod einer jungen Radsportlerin. Die achtzehnjährige Muriel Furrer stürzte bei den Rad-WM in Zürich tödlich. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis sie gefunden wurde. Noch sind nicht alle Fragen geklärt. Zum Bericht
|
|
Gefällt Ihnen «Der andere Blick»? Dann leiten Sie diesen Newsletter an Ihre Freunde weiter.
|
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Ihr Jonas Hermann
|
|
|